Perspektiven

Welche Perspektiven ergeben sich mit einem Abschluss bei across? Was machen across-Studenten mit ihrem Studium? Hier ein paar praktische Beispiele:

Ute Trautwein

Ute Trautwein Der across-Studiengang hat mir in meiner medizinischen Tätigkeit als Ärztin und Gynäkologin in Tansania schon echt gute Dienste geleistet. Ohne diese Vorbereitung sähe ich hier alt aus. Hier ein paar Punkte, an denen ich besonders gemerkt habe, dass das Studium mir geholfen hat:

1. Im Studium habe ich gelernt, dass meine (deutsche) Denkweise in den meisten Kulturen der Welt überhaupt nicht existiert. Wenn ich mich jetzt frage, warum es zu Enttäuschungen im zwischenmenschlichen Bereich hier in meiner Arbeit in Tansania kommt, hat das meistens den Grund, dass ich noch alles durch meine deutsche Brille sehe.

2. Die Arbeit in Tansania braucht viel Liebe, Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Das sind nicht nur Gaben, sondern man kann da durchaus auch an sich arbeiten. Im Studium habe ich gelernt, dass Afrikaner ein anderes Zeitverständnis haben als ich und ein “dem Ärger mal schnell Luft machen” nicht am richtigen Platz ist, Beziehungen zerstört. Stattdessen habe ich aber auch gelernt wie ich trotzdem meine Meinung vertreten kann und insbesondere da helfen kann, wo es darum geht, zu einer gemeinsamen christlichen Ethik zu finden.

3. Als Leitungsperson, die afrikanische Mitarbeiter zur Selbständigkeit anleiten will, greife ich auf Hilfsmittel aus dem Fach “Interkulturelles Mentoring” und Coaching gerne zurück. Ich habe schon in Deutschland selbst ein Coaching in Anspruch genommen, das mir jetzt hilft, z.B. meinen afrikanischen Verwalter zu coachen.

4. Der Begriff von Schuld und Sünde wird hier völlig anders verstanden. Du kannst deinem besten Freund nicht trauen, bevor er sich nicht dir gegenüber bewiesen hat. Ich gebe Vertrauen gerne im Vorschuss und erlebe da oft Enttäuschungen. Die “Lüge” gilt hier auch unter Christen als ganz selbstverständlich. Das ist für mich nicht mehr so schwer zu verstehen, seitdem ich mich mit dem Verständnis von Scham und Schuld in unterschiedlichen Kulturen beschäftigt habe. Trotzdem brauche ich meine Einstellung nicht aufzugeben. Im Gegenteil, ich kann meinen Mitarbeitern vorleben, dass man auch zu seinen Fehlern stehen darf, ohne vor Gott das Gesicht zu verlieren.

Evi Petry

Evi Petry Als Luftverkehrskauffrau bei einer deutschen Fluggesellschaft habe ich einen Beruf mit internationaler Perspektive erlernt, der mir die Möglichkeit gibt, mit Menschen unterschiedlicher Nationalität und in verschiedenen Sprachen vielseitig zu arbeiten. Kommerzielle Kooperationsabkommen mit anderen Fluggesellschaften wurden mein Schwerpunkt.

Mit dem interdisziplinären MA-Studiengang  „Cross-Cultural Leadership” als Weiterbildung parallel zur Familienphase stärke ich meine interkulturelle Kompetenz, lerne auf kulturtypische Verhandlungsstrategien gezielter einzugehen und Unterschiede im Leitungsstil und Konfliktverhalten vorauszusehen und geschickt auszugleichen. Die Kombination aus Ethnologie, BWL, Theologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaften, Psychlogie und anderen Disziplinen eröffnet ungeahnte neue Horizonte für Beruf und Gemeindearbeit.

Das Training darin, die Perspektive zu einem anderen (kulturellen) Standpunkt zu wechseln, hilft mir beim Verständnis der biblischen Kultur und der Übertragung auf unsere Zeit heute ebenso wie bei Führungsaufgaben, bei denen es gilt unterschiedliche Ziele und Ansichten zu berücksichtigen. Ich reagiere flexibler und kann auch mal mein „typisch deutsches” Denken zurückstellen, weil ich die Bedürfnisse meines Gegenübers besser erkenne, selbst wenn er sie nicht direkt ausspricht.

Als ehrenamtliche Regionalleiterin in einer großen internationalen Gemeinde habe ich vielfältige Möglichkeiten, die Studieninhalte sofort anzuwenden. Dazu zählen u.a.:

  • Mentoring für junge LeiterInnen aus dem In- und Ausland
  • Förderung der Integration von Ausländern in deutsche Gruppen
  • Konfliktlösungsgespräche in multikulturellen Teams
  • Beratung von Frauen aus bikulturellen Ehen in kulturbedingten Ehe- und Erziehungskonflikten
  • Schulung von KiTa-Mitarbeitern für den Umgang mit ausländischen Familie